Frische OAP-Ideen: „Das schönste Geburtstagslied der Welt“

Ein Programm-Macher-Traum: die emotionale, witzige und unkopierbare Morningshowrubrik. R.SA hat einen Klassiker neu interpretiert. Und damit den Mitteldeutschen Medienpreis gewonnen.
Von Heiko Dietze,<br>On Air Promotion-Spezialist

Von Heiko Dietze,
On Air Promotion-Spezialist

Der Geburtstagsgruß ist vermutlich eines der ältesten Tools, um Hörer-Emotionen ins Radio zu bringen und auszulösen. Doch er taugt heutzutage mit Sicherheit nicht mehr als unterhaltsame und längerfristig laufende Rubrik einer modernen Morningshow.

Oder doch? R.SA aus Sachsen hat bewiesen, dass es auch hier auf die Umsetzung ankommt (Interview mit Erfinder und Preisträger unten).

Das ist der Modus

Die Kandidaten können sich online bewerben oder anmelden lassen und werden morgens live von den R.SA-Morgenmoderatoren angerufen und überrascht. Vormittagsmoderator Christoph Schneider ist auch im Studio und spielt und singt dem Geburtstagskind ein individuell gedichtetes Geburtstagslied.

Darum ist die Rubrik so gut

Für die Wiedererkennung sind die Stücke jeweils auf Melodien bekannter Hits getextet. Schneider beweist bei den Songs viel dichterisches Talent, hohe Spielfertigkeit, ein gute Stimme und jede Menge Einfühlungsvermögen.

Das Ergebnis: täglich emotional überwältigte Hörer on air. Und der Vorteil der Rubrik aus strategischer Sicht: die Umsetzung in ihrer Qualität aus Talent, Können und Empathie ist kaum von der Konkurrenz kopierbar.

Ein Preis für soviel Mühe

Für die originelle Idee und die überzeugende Umsetzung gab’s am 24. August den Rundfunkpreis Mitteldeutschland 2018 in der Kategorie „Beste Werbung/Beste selbstentwickelte Promotion“.

Für audiolution.de stand R.SA-Moderator, Geburtstagslieddichter und Preisträger Christoph Schneider Rede und Antwort.

So klangs on air

Geburtstagslied

Mit freundlicher Erlaubnis des Geburtstagskindes Norman Seidel aus Dresden. Außerdem zu hören: die Morgenmoderatoren Uwe Fischer und Lena Mengler aus dem R.SA-Frühstücksradio. Christoph Schneider singt das Geburtstagslied gekonnt zur Melodie von Elton Johns Hit „Crocodile Rock“.

INTERVIEW: 5 Fragen an Christoph Schneider

audiolution: Was hat Dich bzw. Euch zu dieser Rubrik-Idee inspiriert?

Christoph Schneider:  Tja, so ganz kann ich das gar nicht an einer Begebenheit festmachen. Aber grundsätzlich habe ich solche selbst gedichteten Lieder schon seit vielen, vielen Jahren immer mal auf Familienfesten oder bei runden Geburtstagen für die Verwandtschaft gedichtet und aufgeführt.

Irgendwann tauchte so ein Lied dann auf einer Hochzeit einer Kollegin auf, bei der auch der R.SA-Programmchef Uwe Fischer unter den Gästen war – so hat er es also mitbekommen. Dann dauerte es noch eine Weile, und irgendwann passte es einfach auch ins Radioprogramm.

audiolution: Die Songs wirken aufwändig kreiert und gestaltet. Bitte beschreibe uns den Entstehungsprozess von der Recherche über die Songauswahl bis zum fertigen Lied.

Christoph Schneider: Also tatsächlich ist es jedesmal neu, es gibt kein Reißbrett, keinen Baukasten, aus dem man sich bedienen kann. Im günstigsten Fall hatten wir aus dem Umfeld des Geburtstagskindes einen Ansprechpartner, der uns ein paar persönliche Dinge verraten konnte: Hobbies, Vorlieben, Macken, Eigenschaften, Eigenheiten. Ich brauchte also irgendein Bild vom „Beschenkten“.

Dann musste ein Lied gefunden werden, was der normale Radiohörer kennt, also einen Hit, der sich selbst erklärt, weil ihn einfach jeder sofort im Ohr hat. Das Finden eines Liedes brauchte oft die meiste Zeit, weil es sofort eine Einheit mit dem möglichen Text bilden sollte.

Dazu kommt, daß sich einige Lieder perfekt immer wieder eignen, ich aber keine Wiederholungen wollte. Und – auch nicht zu unterschätzen – ich musste es auf der Gitarre spielen und gleichzeitig einsingen können.

Große Studiomöglichkeiten haben wir nur ausnahmsweise genutzt, weil das einfach zu aufwendig und zeitraubend wäre. Es sollte schließlich jeden Tag ein Lied fertig werden. Letztlich hat ein fertiges Geburtstagslied mal nur zwei Stunden gebraucht, in den meisten Fällen aber doch mehrere Stunden.

audiolution: Du trägst die Lieder sehr gekonnt vor – hast Du eine musikalische Ausbildung und wenn ja, welche?

Christoph Schneider: Nun ja, ich habe tatsächlich Musik studiert – allerdings Waldhorn, also ein klassisches Orchesterinstrument. Die Gitarrenkünste orientieren sich eher an dem, was man am Lagerfeuer braucht. Naja, und ich bin der Meinung: Singen kann grundsätzlich jeder. Mit ein bisschen Mut und Selbstbewusstsein ist einiges möglich.

audiolution: Wie lange lief die Rubrik und wie viele individuelle Lieder hast Du gedichtet?

Christoph Schneider: Die Rubrik lief über zehn Monate, von September 2017 bis Juni 2018 – werktags jeden Morgen. Aus heutiger Sicht schon ein Kraftakt, der mir während der Aktion aber nicht so aufwändig erschien. Es war jeden Tag ein kleiner Wettbewerb: wie gut wird es diesmal? Wie lange brauche ich, bis es im Kasten ist?

Und wir wussten auch nie, wie der Hörer oder die Hörerin reagiert. Es gab nie einen doppelten Boden, die Hörer wurden live im Radio überrascht und es hat nie jemand entrüstet aufgelegt oder sich beschwert. Wobei aber auch von Anfang an klar war, daß der Hörer keinesfalls vorgeführt oder blossgestellt wird.

audiolution: An welche Hörer-Reaktion kannst Du Dich besonders gut erinnern?

Christoph Schneider: Am beeindruckendsten ist es immer, wenn man aus einem völlig anderen Umfeld plötzlich auf so ein Lied angesprochen wurde – einfach weil es jemand gehört hatte, der aber damit letztlich nichts zu tun hatte. Und es gab und gibt immer noch Hörer, die sich dann im Laufe des Tages nochmal direkt per Mail oder Anruf bedankt haben oder mich heute noch darauf ansprechen.

Wenn die Hörer den Moment „geniessen“ konnten und sich gefreut haben oder merklich sprachlos waren, oder sogar geweint haben, dann hat mich das besonders berührt. Allerdings fand ich es auch völlig normal, daß die „Beschenkten“ meist nicht viel sagten, weil sie völlig überrumpelt waren.

Hard Facts

Was:    Das schönste Geburtstagslied der Welt

Wo:      Das R.SA-Frühstücksradio (5 – 10 Uhr)

Wann:  07:38 Uhr (Rubrik momentan pausiert)

Hören:  Direktlink zum Simulcast

Foto: Wikipedia / mit freundlicher Genehmigung von R.SA.

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